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Der ungeliebte (T)Euro feiert in diesen Tagen zehnten Geburtstag

25. Januar 2012
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Steinen (hjh). Zugegeben: In Amerika bricht nach der Schelte frustrierter (T)Euro-Geschädigter aus dem Wiesental sicher nicht das große Zittern aus. Und die Schweizer Nachbarn werden auch nicht in Tränen ausbrechen, wenn die Deutschen nebenan nicht verstehen wollen, warum die Zinsen „drüben“ ganz niedrig sind oder die Mehrwertsteuer bei Einkäufen hier zurückerstattet werden muss. Aber dem kleinen Häuflein Aufrechter, das sich am Donnerstag zum VHS-Vortrag „10 Jahre Euro-Währung“ in die Grundschule verirrte, tat es sicht- und hörbar gut, einmal aus tiefster Seele „motzen“ zu dürfen über die Krise, die 10 Jahr nach der Bargeld-Einführung der umstrittenen Währung Europa erschüttert und der, so einige, die jahrzehntelang für eine stabile DM schufteten, auch nach weiteren vergeblichen Rettungsbemühungen nur ein unrühmliches Ende bevorsteht: „die Inflation.“

Lutz Pankrath, Vorstandsmitglied der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden, prognostizierte gar als „Fakt“ den „Weltuntergang“, fügte aber gleich schmunzelnd hinzu: „… aber das kann noch ein paar Millionen Jahre dauern!“ Der Krise des Euro allerdings, dessen Geschichte 1951 mit der Gründung der Montanunion begann und über die EWG, das EWS und über die Gründung der EZB hin zur Ausgabe des „Starter-Kits“ (10,23 Euro im Plastikbeutel für 20 Mark) Ende 2001/Anfang 2002 Höhen und Tiefen überstand, konnte auch der Banker nichts Positives abringen. Seiner Meinung nach könne der Teufelskreis „steigende Staatsverschuldung, schlechtes Rating, Kursverluste, dadurch bedingte Zinsaufschläge für Staatsanleihen mit deshalb weiter zunehmender Staatsverschuldungsquote und wieder schlechterem Rating …“ nur aufgehalten werden durch „langsames, aber sicheres Weginflationieren“.

Halte der momentane Aufwärtstrend beim Wackelkandidat Italien an, sei die Krise vermutlich mit erheblichen Blessuren zu bewältigen. Stolpert Italien über seine Schulden, heißt es in Europa Land unter, zumal weitere Länder wie Irland, Spanien, Portugal oder Griechenland zum Teil bereits im Sog der Krise schwimmen und unterzugehen drohen.   Jetzt räche sich, dass die finanzschwachen Länder nach unzähligen Abwertungen ihrer damaligen Landeswährungen, die der Wettbewerbsfähigkeit geschuldet waren, nach der Einführung des Euro mit hohen Renditen zu punkten versuchten und mit hohen Prozentsätzen bei den Lohnstückkosten (Irland 39 %, Spanien 35 %, Deutschland dagegen 7 %) „Gutes zugunsten ihres Volkes taten.“ Denn auch dadurch ging die ohnehin instabile Wettbewerbsfähigkeit weiter zurück, während die in Deutschland oder Finnland besser und besser wurde. Bei den üblichen Verdächtigen kam es zu erheblichen Budgetdefiziten zwischen sechs und zehn Prozent, während lediglich in Deutschland oder Finnland die Kriterien des Maastricht-Vertrages einigermaßen stabil eingehalten werden konnten.

Die Folgen sind mittlerweile bekannt, Horrormeldungen bestimmen die Schlagzeilen der Medien. Die Zeiten sind schlechter geworden, „viel schlechter“ jedenfalls als in den Jahren, an die sich Fritz Förster erinnerte: „Als die Sparkasse in Steinen noch selbständig war, ging Herr Kaiser durchs Dorf und wusste genau, wer welchen Kredit von der Sparkasse bekommen könnte.“ Die Rating-Agenturen, die über das Wohl und Wehe ganzer Völker mit entscheiden, wüssten das nicht oder nur bedingt. Es komme, so der Tenor unter den Zuhörern von Lutz Pankrath, wohl nicht von ungefähr, dass die drei wichtigsten Agenturen in den USA angesiedelt seien. Politisch gesteuert würden sie dafür sorgen, dass ein aufstrebendes Europa mit einem ungewollt straken Deutschland nicht zu mächtig werde. Dabei hätten die Amerikaner selbst Gründe genug, den eigenen Stall auszumisten. Aber: Sie lenken – wie immer vor allem vor Wahlen – von ihren eigenen Problemen gekonnt ab.

Wie auch immer: Eurobonds werden diskutiert, über eine europäische Wirtschaftsregierung spekuliert, eine „geordnete Insolvenz“ in Erwägung gezogen oder über den Austritt aus der Währungsunion nachgedacht. Ideallösungen gibt es auch nach Lutz Pankraths Meinung derzeit nicht. Fest stehe lediglich: „Die Bewältigung der Krise erfordert einen langen Atem.“ Notwendig werde eine „nachhaltige, überzeugende Wirtschaftspolitik in allen Euroländern“, die „Eindämmung der Anreize zur Überschuldung durch hartes Durchgreifen und konsequente Sanktionen, die bisher nur lasch oder gar nicht eingesetzt worden sind.“

Anleger, so Pankrath im dritten Teil seiner Ausführungen, sollten sich der Inflationsrate von zwei bis drei Prozent bewusst sein und dabei auch die wesentlich höhere „gefühlte“ Inflation mit Preistreibern wie Heizöl (+25 %), Flugtickets (+19%) oder Benzin/Diesel (+12 %) mit in ihre Überlegungen einbeziehen. Sie dürften seiner Meinung nach „langfristig mit allmählich steigenden Zinsen“ kalkulieren und sich nicht vom – bedingt durch den Kurs des Franken – sensationellen Ergebnis der Einzelhändler, der Gastronomen und des Kfz.-Handels in der Region blenden lassen. Investiert werde derzeit wieder zunehmend in das „Betongold“ Immobilien, in “physisches Gold“, in industrielle Sachwerte. Und gefragt sei im Einzugsbereich der Sparkasse nach wie vor die „sichere kurzfristige Geldanlage“ auf dem guten alten Sparbuch. Bei allen Geschäften gelte es zu beherzigen: „Tätigen sie nur Geschäfte, die sie verstehen“, „lassen sie sich nicht leiten von Angst oder Gier“ und „investieren sie nur so viel Geld in Geschäfte, wie sie im Fall eines Verlustes verkraften können.“  Und nicht zuletzt diese Tipps fand nicht nur Gastgeberin Sybille Görlitz-Friedlich von der Volkshochschule „spannend und interessant“.

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