Herzlich willkommen auf den Seiten von schopfheim-web.de

Wir wollen Sie mit aktuellen Berichten auf dem Laufenden halten oder zumindest einen Überblick geben über das, was sich in unserer Region ereignet hat.

Und denken Sie bitte daran: Die Pflege der Seiten erfolgt ehrenamtlich. Arbeiten Sie mit, um eine möglichst umfassende Berichterstattung zu ermöglichen!

Member Login
Lost your password?

Kritische Genossen rüsten zum Wahlkampf – Cremans seit 50 Jahren Genosse

22. März 2013
Auf dem Foto vlnr: Charlotte Hörtdörfer, Thomas Mengel, Peter Ulrich, Artur Cremans und Wolfgang Schmidt. Die übrigen Geehrten fehlten entschuldigt

Auf dem Foto vlnr: Charlotte Hörtdörfer, Thomas Mengel, Peter Ulrich, Artur Cremans und Wolfgang Schmidt. Die übrigen Geehrten fehlten entschuldigt

Schopfheim (hjh). Er hat begonnen, der Wahlkampf. Das bekamen auch die Mitglieder zu spüren, die sich zur Jahreshauptversammlung ihres SPD-Ortsverbandes ins „Steakhüsli“ aufmachten, um Peter Ulrichs Fazit nach einem weiteren erfolgreichen Vereinsjahr zu hören. Die Regularien nämlich waren in Windeseile abgehakt. Die Runde interessierte sich am Donnerstag viel mehr für die große Politik, für Peer Steinbrück, den Kanzlerkandidaten, für erneuerbare Energien, Renten, Mindestlöhne oder Angela Merkel, die ihren designierten Wählern Sand in die Augen streue mit einer Politik, die eigentlich die der SPD sei. Aber: „Leute, passt auf!“, mahnte SPD-Bundestagskandidat Thomas Mengel. „Big Mama“ werde nach den Wahlen die Maske fallen lassen. Jetzt vermeide sie es, Klartext zu reden. Und sie putze jeden weg, der ihr dabei in die Parade fahre. Erst „nach den Wahlen wird sie wieder zeigen, dass ihre Politik nicht die unsere ist“, vermutet Mengel und attestiert der Bundeskanzlerin eine gewisse Schläue, die sie schamlos für ihre Ziele einsetze.

Peter Ulrich, der Ortsverbandsvorsitzende, hatte zunächst an die Highlights 2012 erinnert. Zwei Warentauschtage zugunsten des Jugend-DRK und des Frauenhauses in Lörrach fanden statt. Es gab Infoveranstaltungen zum Thema Energie und zu den Themen rund um den Züricher Flughafen. Der Ortsverband habe (vergebens) versucht, Urwahlen zur Wahl des parteieigenen Kanzlerkandidaten zu beantragen, um – so Ulrich – zu zeigen, dass man in Schopfheim auf „basisdemokratische Elemente“ setze. Es gab vergangenes Jahr den Sommerhock im Schweigmatter Schwimmbad, eine Reise nach Poligny und sehr lebhafte (und durchaus fruchtbare) Diskussionen zum Thema Windkraft. Und warum? Wir fanden, dass die Stadt gerade dieses Problem zu langsam angegangen ist. Wir wollten mehr Schwung in die Sache bringen. Und das ist uns – denke ich – auch gelungen“, sagte Ulrich.

Parallel dazu gingen die Genossen in der Markgrafenstadt den Wahlkampf an, „stichelten“ zusammen mit Justizminister Reiner Stickelberger traditionsgemäß am Dreikönigshock und lancierten zum Bundestagswahlkampf als Thema den flächendeckenden Mindestlohn. Und zwar ohne den 2014 anstehenden Kommunalwahlkampf aus den Augen zu verlieren, zu dem bereits jetzt intensiv Kandidaten gesucht werden, die sich ehrenamtlich zu engagieren gedenken. Peter Ulrich betonte, dass ein SPD-Parteibuch dazu nicht notwendig sei. Viel wichtiger sei „bürgerschaftliches Engagement“, ohne das die Demokratie sicherlich nicht überleben könne.

„Trotz stetig sinkender Einnahmen“ (die Mitgliederzahlen seien auf nur noch 87 bedenklich rasant gesunken und hinken um rund 200 hinter den Glanzzeiten des Ortsverbandes her) sei die SPD in Schopfheim finanziell noch gut für den Wahlkampf gerüstet, betonte Kassierer Frank Bill. Artur Cremans allerdings hielt es für angebracht, die Mitglieder mittels „Bettelbrief“ auf den Wahlkampf einzuschwören. Denn „dabei bleibe dann doch das eine oder andere hängen“, vermutet Cremans anhand positiver Erfahrungen der Vergangenheit.

Lebhaft wurde es, als Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ins Schussfeld gerückt wurde. Er sei, hieß es, „der Sargnagel der SPD“, habe sich „als Risiko für die Genossen entpuppt“. Er sei gescheit, aber „unkontrolliert eitel“ und vergesse bei all seinen Eitelkeiten die eigentliche Aufgabe, „für die SPD die Wahl zu gewinnen.“ An der notwendigen Bremse zog Artur Cremans. „Gebt dem, der die Wahrheit sagt, ein Pferd. Er braucht es, um zu fliehen“, zitierte Cremans ein chinesisches Sprichwort. Steinbrück sage, was er denke. Seine Einnahmen habe er offen gelegt und „alle, die sich über ihn aufregten, haben das nicht getan“, betonte er und erntete mit seiner Fürsprache für den Kanzlerkandidaten Robert Zapps Lob: „Das eben war der beste Artur, den ich je gehört habe.“ Daran änderte auch Wolfgang Schmidt nichts, der noch einmal in die andere Kerbe hieb: „Wer gewählt werden will, muss ab und zu Kreide fressen“, sagte er und erhielt Rückendeckung von Charlotte Hörtdörfer, die meinte: „Steinbrück wäre eine rechte Zugnummer. Aber er erinnert zu oft an das Gebaren von Kaiser Wilhelm.“ Steinbrück helfe der CDU, die dank Merkel ihr Profil zugunsten der SPD verliere, wurde in SPD-Kreisen gemutmaßt.

Das Hin und Her rief Thomas Mengel auf den Plan, der wie Cremans und Zapp für Peer Steinbrück eine Lanze brach. Leute mit Ecken und Kanten seien gleichermaßen beliebt wie unbeliebt. Steinbrück habe das Geld für seine Vorträge nicht geklaut, sondern angeboten bekommen und verdient. Und dafür, so Mengel, „muss er sich nicht schämen“. Deutschland müsse stolz auf den Man sein, der das Land als Finanzminister aus schlimmster Krise gerettet habe, sagte Thomas Mengel, der „mit den Genossen in seinem Wahlbezirk den Laden rocken“ will, um seine einzige Chance nutzen zu können, mittels Direktmandat in den Bundestag durchzustarten. Seine Hoffnung schüre die Tatsache, das „Schwarz-Gelb die letzten neun Landtagswahlen in Folge verloren hat“. Die Serie müsse die SPD fortsetzen. Auch oder gerade mit Peer Steinbrück, gab Mengel zu Protokoll, um dann als gelernter Chemiker dafür zu plädieren, dass bundesweit auf dezentrale Lösungen zur Energieerzeugung hingearbeitet werde. Er halte es für geboten zu verhindern, dass „die großen Vier“ die Entwicklung der Energiegewinnung unter sich ausmachen und den Kuchen dann auch unter sich aufteilen. Und er rannte damit bei Artur Cremans offene Türen ein, der hinter den Machenschaften der Energiegiganten „den größten Schwindel aller Zeiten“ vermutet. Und zwar nicht nur bei der Gewinnung, sondern auch im näheren Umfeld: „Die Bürger im Landkreis sortieren Müll wie die Weltmeister und zahlen sogar noch dafür, dass sie den Müll sortiert abgeben dürfen. Und andere machen dann das große Geschäft damit“, ärgerte sich der Stadt- und Kreisrat, dem schließlich auch die angekündigten Rentenerhöhungen ein Dorn im Auge sind. „Es stinkt mir, dass im Osten gut Verdienende geschont und Rentner dann wieder bevorzugt werden“, schimpfte Cremans, der die 0,2-Prozent für Rentner im Westen nicht das Porto für wert und die Anhebung im Osten um 3,2 Prozent für „reine Provokation“ hält. „20 Jahre nach der Wiedervereinigung muss mit den Unterschieden Schluss sein“, sagte er und fügte entschieden hinzu: „Jetzt reichts!“

 50 Jahre Genosse und noch immer nicht müde – Artur Cremans feiert Jubiläum

50 Jahre ist Artur Cremans nun Mitglied im Ortsverband der SPD Schopfheim. Dafür wurde er im Rahmen der Jahreshauptversammlung am Donnerstag im Steakhüsli gebührend geehrt und von Peter Ulrich mit der Ehrennadel seiner Partei und mit Grüßen von Sigmar Gabriel und Reiner Stickelberger bedacht. Seit über 30 Jahren sitze Cremans für seine Partei im Stadtrat, sei Fraktionsvorsitzender, seit einem halben Jahr Kreisrat und habe als Bürgermeisterstellvertreter manch schwierige Situation meistern müssen. Von 1976 bis 1982 sei er Vorsitzender des Ortsverbandes gewesen und habe als solcher die Glanzzeiten mit 289 Mitgliedern erlebt. 1977 sei auf seine Initiative hin eine Geschäftsstelle eingerichtet worden, erinnerte Ulrich an eine Institution, „von der ich heute nur träumen kann“. 1972 sei Artur Cremans treibende Kraft hinter dem Dreikönigshock gewesen. Er habe Walter Faller in Bonn begleitet, sei Mitglied der Bundesversammlung bei der Wahlniederlage von Annemarie Renger gegen Bundespräsident Carstens gewesen, erinnerte Ulrich, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit der Laufbahn der Gallionsfigur im Lager der Genossen zu erheben. Cremans selbst ließ es sich im Anschluss nicht nehmen, ein paar Episoden aus Begegnungen mit den Größen seiner Partei, darunter Willy Brandt und Helmut Schmidt zu erzählen, die er in erster Linie seinen Mentoren Meinrad Rümmele und Walter Faller zu verdanken hatte.

Mit Artur Cremans wurden vor fünf Jahrzehnten auch Kurt Sütterlin und Christel Brunner „Genossen“. Margarete Müller und Charlotte Hörtdörfer sind der Partei seit 40 Jahren treu. Und Wolfgang Schmidt gehört dem Ortsverband seit zehn Jahren an.

Einkaufen in Schopfheim

Wir sind…

Freie Stellen





Hit Counter provided by Seo Packages
Login